Jeder ihrer Rundgänge in Damaskus endete im Souk, an „ihrem“ Laden. Schon beim ersten Mal geschah Magie: es war Winter, kalt, und die Stadtverwaltung stellte reihum in den Quartieren den Strom ab, wegen Energieeinsparung. Eines Abends, sie hatte den Laden gerade kennengelernt, ging das Licht aus im Souk von Damaskus. Keine Panik unter den Leuten, alle klappten ihr Handy auf und liefen einfach weiter, im Schein der Handy-Monitore, als sei überhaupt nichts gewesen. Beim 2. Mal ging sie wieder den Laden besuchen, Schokolade bringen, und nach ungewöhnlich kurzer Begrüssung wurde sie auf einen Stuhl gesetzt und mit einem „my shop is your shop“ lief der Ladenbesitzer in die Moschee zum Mittagsgebet. Da sass sie nun in einem Laden im Souk von Damaskus, allein als Ladenhüterin und wusste nicht, wie ihr geschah. Beinahe hätte sie sogar was verkauft, aber man hatte ihr in der Eile nicht die Preise genannt, und so wollte sie nichts falsch machen. Bei dieser Reise wollte sie zum Schluss mehr kaufen als geplant, natürlich war das Reisebudget aber bereits aufgebraucht. Woraufhin sie im Lädchen Kredit erhielt – ein grosser Vertrauensbeweis, denn sie hätte ja nie mehr dorthin gehen müssen. Aber natürlich war ihr erster Weg jetzt zum Laden, Schulden bezahlen, und so entwickelte sich eine Freundschaft. Nach jedem der Stadtrundgänge landete sie vor dem Laden, sass dort im Schatten der alten Mauern, trank Tee. Auf diesen Stühlchen vor dem Laden an der Mauer traf sich Gott und die Welt und sie lernte sehr interessante Leute kennen. Man sprach ein bisschen miteinander, manche gaben an wie ein Wald voll Affen, andere breiteten ihre Sorgen aus, andere tranken schweigend Tee, und gingen wieder. Alles locker und fast im Vorbeigehen. Sich niederlassen, ein kleiner Seufzer im Wind und weiter geht’s im Strom.
Vor vielen Läden stehen Plastikfässer mit Wasser, auch vor Läden, die Wasser in Flaschen verkaufen. An diesen Fässern sind Becher befestigt, da kann sich jeder bedienen, der Durst hat. Das Angebot wird auch rege benutzt. Sie hielt sich allerdings zurück, die paar Lira für eine Flasche Wasser gab sie dann doch lieber aus. Dieses Wasser, das da in der Sonne schon stundenlang im Plastikfass... Ganz anders das Wasser an den öffentlichen Brunnen. Erstaunlich gutes Trinkwasser, sauber, klar und wohlschmeckend. Viele Leute tranken davon, sie füllte oft an diesen Brunnen auch ihre Trinkflasche auf.
An einer Ecke ein Laden für Käse, Wasser, Joghurt und solche Dinge. Der Käse hiess „yellow Cheese“, jetzt zu Berühmtheit gelangt durch Cordon Bleu. Das ist eine der neuesten Errungenschaften der modernen syrischen Ernährung, dieser Yellow Cheese. Den machen sie auch auf das, was dort Pizza heisst. Auch auf zerkochte Spiralnudeln, und dann ist das italienisches Essen. Sie aber vermutete sarkastisch, dieser Yellow Cheese sei ein Eiweissprodukt aus pflanzlichen Fetten mit käseähnlicher Optik.
Bei dieser Reise fand sie so moderne Geschäfte, die mussten den Kunden noch zeigen, wie man es betritt. Pfeile für Eingang und Ausgang, und ein grosses Schild mit Erklärung, dass die Tür automatisch aufgeht.

